Im Gedenken an

Ernst Poletti-Gisler

92 Jahre · 18 Juni 1933 — 22 April 2026 · Schattdorf, Uri

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Nachruf

Mein Ehemann, unser Vater, Grossvater und Urgrossvater Ernst Poletti kam am 18. Juni 1933 in der Langgasse in Schattdorf zur Welt. Er war das fünfte von sieben Kindern von Hermann und Marie Poletti-Inderkum. Schon früh zeigte sich sein handwerkliches Geschick, und mit seinem Bruder Walter ging er schon in der Primarschule vier Sommer lang «z Alp» auf die Seewlialp oberhalb von Attinghausen. Nach der obligatorischen Schulzeit arbeitete Ernst zwei Jahre auf einem Bauernhof im Moosrank oberhalb von Zug. Dort schaute er praktisch allein als Knecht zu den Kühen. Vor der Rekrutenschule arbeitete Ernst zwei Jahre bei der Firma Andreas Aschwanden Heizung/Sanitär in Altdorf und konnte dort eine Anlehre als Heizungsmonteur machen. Im Militär kam er zu den Radfahrern, wodurch er fast die ganze Schweiz kennenlernen konnte. Als er später im Zuge seiner sportlichen Tätigkeiten in der Schweiz herumreiste, kam er an vielen Gegenden vorbei, die er schon mit dem Velo im Militär befahren hatte. Nach der Rekrutenschule arbeitete Ernst wieder bei der Firma Aschwanden. Schon bald darauf konnte er als Chefmonteur ein eigenes Team leiten und das Material für seine Baustelle selbstständig organisieren. Von seinen Baustellen, speziell in den frühen Jahren, erzählte er uns noch manche amüsante Anekdote. Seine grosse Liebe, Agnes Gisler, lernte er 1951 am Zentralschweizer Ringertag kennen. Agnes war Ehrendame und überreichte Ernst seinen gewonnenen Kranz. Sie heirateten am 5. November 1956. Zwei Jahre später kam René zur Welt, 1961 dann Urs. Im Sommer fuhr die Familie jeweils zwei Wochen in die Ferien auf den Urnerboden. Sie durften in der Alphütte von Agnes’ Bruder Walti verweilen, während die Älpler im Stafel waren. Ernst wanderte oft mit den beiden Jungs Richtung Firner Loch, Fiseten oder Gemsfairen. Später fuhren Ernst und Agnes unzählige Male ins Südtirol in die Ferien, wo es ihnen sehr gut gefiel. Einige Male unternahmen Ernst und Agnes auch Reisen zusammen nach Übersee. 1975 gründete Ernst seine eigene Firma «Ernst Poletti Heizung/Sanitär» in Schattdorf. Ab Mitte der 1980er-Jahre stiegen seine Söhne René und Urs ins Geschäft ein und übernahmen es schliesslich auch. Ernst wurde 1998 pensioniert, man traf ihn jedoch auch danach bis 2020 jeden Tag in der Firma an. Sein rotes Wasserpumpenzängli, welches er für verschiedene Servicearbeiten nutzte, war auch nach der Pensionierung noch legendär. Ernst lebte für den Sport. Zunächst war er aktiver Turner und zusammen mit seinen Brüdern und seinem Vater sehr erfolgreich. Bald wurde er auch Instruktor und Oberturner. Er half mit, mit dem Turnverein Schattdorf eine der stärksten Nationalturnerriegen der Schweiz aufzubauen. Ein Sieg an einem Nationalturntag oder einem «Eidgenössischen» lief zu jener Zeit praktisch immer über einen Athleten der Sektion Schattdorf. Ernst war sechsfacher eidgenössischer Kranzgewinner im Nationalturnern, zwei Kränze gewann er im Ringen. 1963 bis 1966 war er technischer Leiter des Zentralschweizer Nationalturnverbands. Auch im Eidgenössischen Nationalturnverband übernahm er verschiedene Funktionen. 1963 war Ernst einer der Gründer der Ringerriege Schattdorf. Er prägte den Verein in den darauffolgenden Jahrzehnten, zuerst 19 Jahre als technischer Leiter, danach weitere 17 Jahre als Coach in der Mannschaftsmeisterschaft. Es lässt sich kaum in Worte fassen, was er alles bei der Ringerriege aufbaute und wie stark er mehrere Sportlergenerationen prägte. Deshalb erhielt er später auch den Namen «Ringervater». Durch seine sportlichen Tätigkeiten war Ernst Ehrenmitglied beim Eidgenössischen, Zentralschweizer und Urner kantonalen Nationalturnverband, beim Schweizerischen und beim Urner Turnverband und natürlich bei der Ringerriege Schattdorf. Im Frühling 2024 musste sich Ernst einer Lendenwirbeloperation unterziehen. So kam auch der Zeitpunkt, an dem Agnes und er ihren eigenen Haushalt aufgeben mussten. Sie konnten in eine Wohnung im Alters- und Pflegeheim Rüttigarten ziehen und dort den gemeinsamen Lebensabend geniessen. Ernst durfte ein gesundes Leben verbringen, bis zum 91. Lebensjahr war er nie ernsthaft krank. In der Arbeit fehlte er keinen Tag wegen Krankheit. Kurz vor Ostern dieses Jahres zeigten sich bei Ernst jedoch grössere gesundheitliche Probleme. Leider konnte er sich von diesen Beschwerden nicht mehr richtig erholen, und er starb relativ unverhofft am 22. April in der Notfallstation des Kantonsspitals. Ernst hatte vier Grosskinder und vier Urgrosskinder, die ihm sehr viel bedeutet haben. Er konnte auf ein reiches Leben zurückschauen. Er hat viel erschaffen, viel erreicht und durfte viele schöne Momente in der Familie und den Vereinen erleben. Keine Arbeit und kein Weg waren ihm zu viel, wenn er damit jemanden glücklich machen konnte.

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